Obwohl (führender) Rechtsaußenpolitiker hat Haider nie gegen Lesben und Schwule agiert. Ganz im Gegenteil war es seine offene Haltung, die die ÖVP in den 90er Jahren bspw. in der Frage der anti-homosexuellen Sonderstrafgesetze ganz gewaltig in die Enge trieb. 1996 schaffte seine FPÖ zusammen mit SPÖ, Grünen und LIF (gegen den Widerstand der ÖVP) das Vereinsverbot (§ 221 Strafgesetzbuch, StGB) ab. Und bei der Abstimmung über das Werbeverbot (§ 220 StGB) ermöglichte damals die (zufällige?) Abwesenheit zweier FPÖ-Abgeordneter ebenfalls die Aufhebung.
Bei § 209 hingegen stimmte er mit seiner Partei (mit der einzigen Ausnahme Harald Ofners) gegen die Gleichstellung und wollte die diskriminierende Mindestaltersgrenze für schwule Kontakte nur (von 18) auf 16 Jahre (gegenüber 14 für Heterosexuelle und Lesben) senken. Zwei Jahre später, im Sommer 1998, hätte jedoch in der neuerlichen Abstimmung über § 209 die (zufällige?) Abwesenheit mehrerer FPÖ-Abgeordneter die Abschaffung des Sonderstrafgesetzes mit den Stimmen von SPÖ, LIF und Grünen ermöglicht, wenn die SPÖ damals nicht den Saal verlassen hätte.
Gerüchten über seine eigene Homo-/Bisexualität (denkwürdig etwa die Finocchio-Kampagne der Kärntner ÖVP) ist Jörg Haider stets mit Gleichmut begegnet bzw. hat er dazu vornehm geschwiegen. Nie hat er sie (wie so manch andere) empört zurückgewiesen. Diese menschliche Größe haben wir ihm - bei aller Gegensätzlichkeit in anderen (menschenrechtlichen) Fragen – stets hoch angerechnet.
P.S.: Aktuelle Informationen stets auf www.RKLambda.at
Dieser Beitrag erschien auch in der Ausgabe 3/2008 von Ius Amandi, der Zeitschrift des Rechtskomitees LAMBDA (RKL) . |