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Das Label „Pro-Fun Media“
Eine schwule Erfolgsgeschichte: 1992 hatte die amerikanische Filmkritikerin B. Ruby Rich die Geburtsstunde des „New Queer Cinema“ (NQC) ausgerufen. ...
1992 hatte die amerikanische Filmkritikerin B. Ruby Rich die Geburtsstunde des „New Queer Cinema“ (NQC) ausgerufen. Zu seinen Pionieren zählen Regisseure wie Derek Jarman, Gus Van Sant, Todd Haynes, Christopher Munch, Greg Araki und Bruce LaBruce.

Damit hatte Rich einen Begriff kreiert, der den Einbruch einer neuen Form des filmischen Erzählens und des spielerischen Umgangs mit Stilen und Perspektiven beschreiben sollte: Immer mehr dieser Filme eroberten sich ihren Platz im Kino. Eine Entwicklung, die nicht nur den Filmemachern und Film-Festivalbetreibern zu verdanken ist, sondern auch jenen Verleihern, die sich für diese Filme stark machen und dem queeren Film einen festen Platz in ihrem Verleih-Programm einräumen.

Dazu zählt der deutsche Kino-Verleih Salzgeber ebenso wie die Pro- Fun Media GmbH. Auch wenn der bereits 1985 gegründete Salzgeber- Verleih für sich in Anspruch nehmen kann, der erste gewesen zu sein, der noch vor dem offiziellen Startschuss des NQC zum Entdecker von Filmen und Filmemachern des schwul-lesbischen Genres wurde, ist Pro-Fun Media heute das einzige Medienunternehmen mit Kino- Filmverleihgeschäft, das sich ausschließlich dem Queer-Film verschrieben hat – und das ist einmalig im deutschsprachigen Raum. Während sich Edition Salzgeber nach dem Tod von Manfred Salzgeber im Arthouse- Filmbereich mit einem schwul-lesbischen Schwerpunkt verankert sieht, verfügt Pro-Fun heute – betrachtet man ausschließlich den schwul-lesbischen Film – über ein ca. 25% größeres Titel-Portfolio.

Gemeinsam ist den beiden Firmen, dass der schwul-lesbische Film eine Herzensangelegenheit ist, nicht zuletzt auch, weil sich die meisten Mitarbeiter der Community zugehörig oder verbunden fühlen. Pro-Fun wurde fast um ein Haar in das Geburtsjahr des „New Queer Cinema“ von den beiden Kinobegeisterten Marek Spreitzer (39) und Axel Schmidt (36) hineingegründet (1. Juni 1993). Das was den studierten Betriebswirtschaftler und Architekten miteinander verband, war vor allem die Liebe zum Kino. Die beiden warfen ihre Talente in eine Waagschale und sind heute beide Geschäftsführer des Unternehmens mit Hauptsitz in Frankfurt am Main, über das sie heute eine schwule Erfolgsgeschichteerzählen können: Anfangs wurde Pro-Fun als Vertrieb für schwul-lesbische Medien konzipiert, heute ist Pro-Fun Vertrieb, Verlag, DVD-Label, Filmproduktion und Kino-Filmverleih.

Will man als schwul-lesbischer Filmverleih überleben, gehört nicht nur viel Idealismus dazu, sondern auch Geschäftssinn. Seit 2006 verkauft Pro Fun auch TV-Rechte und ist im Video- On-Demand Geschäft tätig. Pro Fun stieg erst sieben Jahre nach Firmengründung in das Kino-Filmverleih-Geschäft (mit Sitz in Berlin) ein und konnte von da an, seine anspruchsvollen schwul-lesbischen Filmtitel einem breiteren Publikum zugänglich machen (wie etwa „Beautiful thing“, „Latter days“, „Dorian Blues“, „Broken Sky“, „Boy Culture“ und „Another Gay Movie“). Die erste Filmlizenz aber wurde von Axel Schmidt schon davor erworben (1995). Damals begann auch die eigene VHS-Produktion, die mittlerweile auf etwa 100 eigene Titel zurückblicken kann. Jedes Jahr kommen weitere 15 bis 20 Neuerwerbungen hinzu, die heute natürlich als DVDs gepresst werden. 

Das DVD-Label Pro-Fun läuft nach Aussagen von Marek Spreitzer gut. Dagegen sei „der Verleihmarkt für schwul-lesbische Produktionen leider ein schwierigeres Pflaster“. Viele der Kinobetreiber würden da lieber „auf Blockbuster und damit auf sichere Einnahmen setzen, als ihrem Publikum Programmkino anzubieten“. Eine klare Abgrenzung von Filmverleih und DVD-Label gibt es deshalb bei Pro-Fun nicht, zum einen weil man „natürliche Synergieeffekte“ nutzen wolle und zum anderen beschäftigt Pro-Fun nur zehn feste Mitarbeiter. Trotzdem könne man in etwa folgende Gewichtung bestimmen: 20 % Filmverleih zu 80 % DVD-Label. Unter anderem ist es genau diese Gewichtung, die es Pro-Fun ermöglicht die zumeist knapp budgetierten, „eher kleinen, dafür aber umso feineren Produktionen“, die auch aus Ländern wie Israel, Mexiko, Brasilien und Südafrika kommen, zu unterstützen. 

Bei der Auswahl der Filmtitel spiele der persönliche Geschmack genauso eine Rolle wie die kommerzielle Verwertbarkeit: „Hierbei haben wir in den jetzt fast 15 Jahren fast ausnahmslos ein so gutes Händchen für die richtige Mischung gehabt, dass Qualität und Rentabilität unserer Filmtitel sich nie im Wege standen“, erklärt Marek Spreitzer rückblickend. Dabei sei die Präsenz auf internationalen Filmfestivals wie Berlin, Cannes und Locarno genauso wichtig wie der mögliche Zugriff auf das „über die Jahre gewachsenes Netzwerk aus Verleihen, Produzenten, Regisseuren, Drehbuchautoren und Darstellern“. Inzwischen hat sich das NQC etabliert und ist fast schon Teil des Mainstreams geworden. Eine Entwicklung, die jeder neuen Bewegung, sei es nun im Film oder in anderen Künsten, bevorsteht.

Zumindest hat das „New Queer Cinema“ in den westlichen Ländern seine Avantgarde-Rolle eingebüßt. Liebeskomödien und Coming- Out-Film sind derzeit wieder im Kommen. So ist es dann auch B. Ruby Rich, die vor nicht allzu langer Zeit konstatierte, dass die interessantesten queeren Filmproduktionen derzeit außerhalb der westlichen Welt entstehen. Von daher ist es wichtig, dass Verleihe wie Pro-Fun Media ihre Fühler dahin ausstrecken und diese kleinen Filmperlen für uns finden. Doch die Etablierung queerer Charaktere im Mainstream- Kino ist eine Entwicklung in die richtige Richtung. Auch Marek Spreitzer ist sich sicher, dass der Queer-Film weiterhin sein Publikum finden wird: „Dass inzwischen selbst Hollywood schwule Themen nicht mehr nur am Rande und klischee-behaftet behandelt, lässt auf eine zunehmende Selbstverständlichkeit und eine Normalität des Queer-Films schließen, die für seine Entwicklung nur positiv sein kann.“ 

Bei „identities“, das heuer genau wie das „New Queer Cinema“ seinen 15. Geburtstag feierte, gabt es gleich fünf Filme des Pro-Fun Media Filmverleihs zu sehen. 

rainbow.at - LinkTIPP:
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User - Kommentare
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trknight26.12.2009 - 23:49
hallo
vielleicht hat wer Tips, wo man im Internet Filme downloaden oder streamen kann.
bitte hier kommentieren oder mir ne Mail zukommen lassen, wäre sehr dankbar






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