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Rezension: "Dunkle Flüsse" von Peter Nathschläger
Dunkle Flüsse und düstere Stimmung bringt der erste Teil der Montana Trilogie des 40 jährigen Wiener Autors Peter Nathschläger.
Der erste Roman der „Montana Trilogie“ weißt bereits in die Richtung, in die auch die anderen Bände führen. Hier offenbaren sich bereits jene Elemente, die einen in den anderen beiden Büchern weiter begleiten werden.
Verrohte Menschen, die ihre Schreckensherrschaft über andere nur deswegen aufbauen und weiterführen können, weil die Gesellschaft dies zulässt. Patrick, eigentlich David, wird von einem Fremden entführt als er 7 Jahre alt ist und erlebt die nächsten 9 Jahre als eine Zeit der Schrecken, der Schmerzen, der Gewalt und des Horrors, aus dem es kein Erwachen gibt. Sein Entführer, „Onkel Frank“ missbraucht den Jungen um extrem gewalttätige „Snuffvideos“ zu drehen und diese samt diversen Fotos von dem Jungen zu verkaufen, mit denen er im Internet sehr viel Geld verdient. Erst als Patrick/David 16 ist und ihm die Flucht gelingt trifft er auf Menschen, die ihm zeigen, dass es mehr als Sex gegen Geld und zügellose Gewalt gibt. Auch kommen seine Erinnerungen an seine Familie wieder zurück.

Allerdings gerät er in die Fänge eines geistigen Verwandten seines „Onkel Frank“, was ihm beinahe das Leben kosten soll, denn auch sein Entführer spürt ihn wieder auf. Aber diesmal will er es nicht bei Prügeln und Vergewaltigung belassen, sondern das ultimative und letzte Video mit David/Patrick drehen.  
Von den drei Bänden der Montana Trilogie ist dies vielleicht der Düsterste. Auch wenn am Ende David wieder nach Hause kommt und die Verbrecher einer Art himmlischen Strafe zum Opfer fallen, will doch keine rechte Freude darüber aufkommen. Ich habe mich gefragt, wieso dass denn so ist. Und nun weiß ich es. Die Frank Dohunans und die Pfarrer Licht sind keine Produkte der Phantasie, es gibt sie wirklich. Und es gibt sie nur, weil wir, als Gesellschaft, es zulassen und möglicherweise sogar produzieren. Weil es eben wirklich Vetreter der Staatsgewalt gibt, die ihre Aufgabe, den Schutz der Schwachen und Hilflosen konterkarikieren und die Schwäche und Hilflosigkeit jener Personen ausnutzen um damit schmutziges Geld verdienen oder ihre Gier nah jungem Fleisch zu befriedigen.

Es gibt, die von Nathschläger beschriebenen, braven Bürger, die sich im Schutz der Nacht an Minderjährigen vergehen und am nächsten Tag mit ihren Söhnen, die genau so alt wie die Opfer der Nacht sind, Fischen oder Zelten fahren, ohne sich dabei schlecht zu fühlen. „Dunkle Flüsse“ ist so düster, weil es eben keine Fiktion ist, sondern eine Realität beschreibt, die wir lieber vergessen und verdrängen wollen. Man wäre fast versucht zu behaupten, Nathschläger hat ein neues Genre geschaffen – dass des schwulen Reality Horror Romans. Das Gruseln, das einen überkommt entsteht weil die Geschichte so real ist, weil es eben durchaus möglich und auch schon in der einen oder anderen Form geschehen ist. Die Monster die da durch die Erzählung schreiten, könnten uns jeden Moment selbst begegnen ohne dass wir es möglicherweise merken. Nach außer hin ganz normal, innen aber vollkommen verroht und frei von jeglicher moralischer Hemmung, erschaffen von einer Gesellschaft, die von den Szenen der Gewalt im Fernsehen und Internet völlig übersättigt ist.

War das Zeigen einer Leiche in den Nachrichten vor 20 Jahren noch ein Skandal ersten Ranges, so sieht heute niemand mehr ein zweites Mal hin. Da müssen schon Folterszenen aus türkischen, irakischen oder sonstigen Gefängnissen herhalten um die Aufmerksamkeit zu erregen. Den Monstern aus „Dunkle Flüsse“ genügt dies schon lange nicht mehr – sie brauchen den Kick des echten. Deswegen muss auch ein junger Skater sterben, den Frank Dohunan auf der Jagd nach David/Patrick zufällig trifft. Erstens um ihm die perverse Befriedigung zu haben dem Jungen beim Sterben zuzusehen, als er ihm Hals und Bauch aufschlitzt und, sozusagen als Bonus, auch als Darsteller eines Snuffvideos zu dienen, mit dem Frank Dohunan wieder unglaublich viel Geld verdienen kann. Nathschläger zeigt uns schonungslos, was aus einer Gesellschaft wird, wenn sie beginnt sich nicht mehr an die eigenen Regeln zu halten, wenn jeder nur mehr sich und sein engstes Umfeld im Auge hat.
 
Fazit: Wer denkt, der Roman ist etwas für Zwischendurch, wird sich enttäuscht sehen. Es besteht Suchtgefahr! Der Autor zieht einen mit der Kraft der Erzählung in seinen Bann und man ist richtig böse, wenn man einmal unterbrechen muss.
 
ISBN: 934825-43-7
Preis : 14.90 € /229 Seiten
created by: Rainbow.Online (fd) | 12/2006


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